PresseKritik  .


"Diseuse trifft auf Ranger - Kultur auf Natur"

12.05.2017,  BERGSTRÄSSER BA Anzeiger

Lina Lärche & Ranger Ömmes: "HerzRasen"

(mit Gerd Normann) Musik & Comedy

im Zwingenberger "Mobile"

Artikel von Eva Bambach


ZWINGENBERG.   Was frisst ein Frettchen? Haben Blattläuse Sex?

Und warum sieht eine Nasenflöte aus wie ein Puppenklo? Antworten auf diese und

andere schräge Fragen gab es jetzt im Theater Mobile im Programm von Lina

Lärche und Herrn Ömmes. Nicht Politik und die Probleme der Gesellschaft nahmen

die beiden dabei aufs Korn, sondern allerlei Kurioses im Zusammentreffen von

Mann und Frau oder Natur und Kultur. Die Rahmenhandlung: Eine Diseuse aus

Potsdam trifft auf einen Ranger aus dem Sauerland. Auf der Suche nach seinem

Frettchen Mütze – der Name entspricht der für das Tier geplanten Verwendung –

stört der spröde Naturbursche den Auftritt der Diva im güldenen Gewand. Das

Gekabbel des ungleichen Paars unterbricht immer wieder den Vortrag bekannter

Lieder und Chansons, die, sofern sie nicht schon im Original von finsterem Humor

geprägt sind, als Parodie auf die Bühne kommen. Dabei kann es sich um Wolfgang

Petry handeln, um Marlene Dietrich („Kinder, heute Abend, da such ich mir was

aus, einen Mann, einen richtigen Mann!“), um „Schwarz steht mir so gut“ von

Dora Dorette oder „Die hysterische Ziege“ von Friedrich Hollaender. Es ist das

klassische Programm einer Diseuse, in der die Frau so ganz und gar nicht als

Opfer des Mannes erscheinen will, nach dem Leitsatz: „Ich war erst 17 und er 18

– Millionen schwer“. Die Frauen kommen auch ganz gut ohne Männer aus, soll das

heißen. Das selbsterfundene Genre des „Chanson acrobatique“ jedoch funktioniert

nur mit Ömmes’ Hilfe, selbst wenn der, statt nur das Bein der Diva zu stützen,

auch noch eine Schienbein-Rasur ausführt. Denn Ömmes, der im hiesigen Idiom

wohl Dabbes heißen würde, funkt immer wieder dazwischen. „You make me feel like

a natural woman“ aus dem Song nach Aretha Franklin erinnert ihn an die

Survival-Wochenenden, die er neuerdings im Sauerland anbietet, wobei er sich

über die SelfieManie wundern muss, bei der „jedes Naturfoto mit ’ner Hackfresse

kaputt gemacht wird“. Ömmes brilliert mit Heinz-Erhardt-Zitaten und

überraschend gediegen gereimten Versen, vor allem aber – ein Höhepunkt des

Abends – mit einer langen Auslassung über die Liebe in Zeiten des Internets.

Nicht nur der Begriff des Net(t)-Working kommt hier zu ganz neuer Bedeutung,

auch die Ansteckung mit Bluetooth, fehlender Virenschutz und die Dusche unter

dem Browser bis hin zu Plug and play erscheinen in neuem Licht. Ohne

Administrator und Zugangsdaten keine Bereitstellung – und schlimmstenfalls muss

am Ende alles neu konfiguriert werden. Auch Erotik wurde den Zuschauern in

Aussicht gestellt. Bei Lärche und Ömmes versteht man darunter unter anderem

einen ungewöhnlichen Striptease zu Walzerklängen, bei dem sich die Diva aus

einem elektrisch beleuchteten Reifrock schält, von Ömmes als „anmutige Lichter“

kommentiert. Auch der Tango wird nur über den Umweg über den Frankfurter Kranz

zum erotischen Tanz: Engumschlungen – besser gesagt, ineinander verkeilt –

tauschen die beiden Rezepte zur Herstellung des schaumigen Kuchens aus, bevor

Lärche gleich zweimal fragt: „Kann ein Riegel Sünde sein?“ – mal klassisch frei

nach Zarah Leander, mal gerappt. Auf offener Bühne vernascht sie dann das

Objekt der Begierde, um anschließend mit Edith Piafs nichts zu bereuen: „Rieng

de rieng“. Eines der besten Stücke kommt als Zugabe am Schluss: „Wir wollen nie

mehr auseinander gehen“ – das kann bei Lina Lärche und dem Herrn Ömmes

natürlich kein Lied über die Liebe sein. Es geht um Methoden, eine schlanke

Figur zu behalten.